Neue
Wege finden

115 Millionen Euro:
Investitionsvolumen in eine bessere Verkehrs­anbindung per Bahn

Inbetriebnahme der Neufahrner Kurve Ende 2018

Erwartungen und Anforderungen von Passagieren und Kunden ändern sich. Der Flughafen will darauf nicht nur reagieren, sondern mit innovativen Lösungen Impulse setzen.

Der Flughafen will den Herausforderungen der nächsten Jahre mit zahlreichen Maßnahmen begegnen und so die Zukunft des Unternehmens gestalten. Der Mann, der die Konzernstrategie dahinter verantwortet, heißt Jörg Ebbighausen und hat vor seiner Zeit am Flughafen München viele Jahre in führenden Unternehmen der Medien- und Telekommunikationsbranche gearbeitet. »Wenn wir die wesentlichen Trends der Zukunft nicht erkennen und uns entsprechend aufstellen«, sagt der Leiter Konzernentwicklung am Flughafen München, »dann werden uns all die Erfolge der Vergangenheit und Gegenwart nichts nutzen.«

Auch wenn alle Prognosen den Luftverkehr mittelfristig weiter stark wachsen sehen, macht der 45-Jährige konkret drei Entwicklungen aus, die für den Flughafen eine wichtige Rolle spielen: Erstens werden die Fluggesellschaften auch weiter unter hohem Kostendruck operieren. Zweitens spürt auch der Handel am Flughafen längst die Konkurrenz der Online-Anbieter und die Auswirkungen eines geänderten Konsumverhaltens der Kunden. Und drittens drängen neue Akteure verstärkt in die Reisekette, um Kunden Services wie Auskünfte, Transfer und Parken anzubieten oder diese zu vermarkten. »Alle drei Trends fordern unser Geschäftsmodell heraus«, sagt Ebbighausen. »Wir können dem nur begegnen, indem wir zum einen unser bestehendes Geschäftsmodell so gut es geht absichern, zum anderen neue Geschäftsfelder für uns erschließen.«

Die Fluggesellschaften operieren auch weiter unter hohem Kostendruck.

Der Handel spürt die Auswirkungen eines geänderten Konsumverhaltens und die Online-Konkurrenz.

Neue Akteure drängen auf den Markt,um Kunden Services wie Auskünfte, Transfer und Parken anzubieten.

Die Erweiterung des Terminals 1 dient dazu, das bestehende Geschäftsmodell abzusichern: »Indem wir dort die Aufenthaltsqualität für Passagiere verbessern und die steigenden Anforderungen der Fluggesellschaften erfüllen, schaffen wir einen attraktiven Raum für neue Services«, sagt Ebbighausen. Eine weitere Maßnahme dafür ist die Schaffung von Angeboten, die nicht unmittelbar mit der Luftfahrt zu tun haben (Non-Aviation). Dabei spielt das Thema »Seamless Travel«, also die möglichst nahtlose Organisation der gesamten Reise von Tür zu Tür, eine wichtige Rolle. Voraussetzung dafür ist, die landseitige Verkehrsanbindung weiter zu verbessern.

Foto: Anbindung Bahnnetz
Die Anbindung des Flughafens an das Bahnnetz verbessert sich deutlich.

Bessere Anbindung per Bahn

»Mit der Inbetriebnahme der Neufahrner Kurve Ende 2018 ist ein erster Schritt getan worden, um einen Geburtsfehler des Flughafens zu beseitigen«, freut sich Ebbighausen. Seit dem Winterfahrplan 2018/2019 können Direktzüge von und nach Regensburg bis ins Terminal einfahren. Auch beim Erdinger Ringschluss geht es mit der Verlängerung des bestehenden Bahntunnels unter dem Flughafen vorwärts – eine Investition von 115 Millionen Euro. »Die tätigt der Flughafen aus eigenen Mitteln«, so Ebbighausen. Geplant ist dann als nächster Schritt der Ausbau der Bahnstrecke München–Mühldorf–Freilassing. Das würde den Einzugsbereich des Münchner Flughafens, der sich heute bereits von Ulm im Westen bis Nürnberg im Norden, Linz im Osten und bis nach Bozen im Süden erstreckt, absichern, und sogar vergrößern.

Mit der Neufahrner Kurve gelangen Bahnreisende nun aus Ostbayern direkt zum Flughafen. Jetzt wird am Erdinger Ringschluss und der Anbindung nach Südostbayern gebaut.

Nahtloses Reisen von der Haustür bis zum Gate

Auch Stefan Häberlein arbeitet daran, für den Flughafen München Lücken zu schließen. Der 37-jährige Leiter Strategie und Nachhaltigkeit hat den Prozess organisiert, mit dem das Konzept des nahtlosen Reisens entwickelt wurde – Seamless Travel. Es ist die Antwort auf die Herausforderung durch die großen Internetkonzerne, die mit immer mehr Anwendungen auch in das traditionelle Geschäft des Flughafens eindringen: mit Apps zum Beispiel, die das Parken organisieren, mit Fahrdiensten, mit Onlineshopping. »Wir haben unser Geschäft in der digitalen Welt nicht mehr ausschließlich selbst in der Hand, deshalb mussten wir aktiv werden«, sagt Häberlein. Das Ergebnis ist die »Passngr«-App, ein Informationssystem, das inzwischen neben München auch die Flughäfen Hamburg, Düsseldorf und Münster-Osnabrück ihren Passagieren anbieten. »Weitere Airports könnten in diesem Jahr folgen, unser Ziel ist es, dass wir Passngr zur Standardanwendung im deutschsprachigen Raum machen«, sagt der studierte Volkswirt, der vor elf Jahren als Praktikant am Flughafen München anfing. »Bietet eine solche App den Passagieren diesen Mehrwert, wird sie an Reichweite gewinnen«, prophezeit Häberlein.

passngr-App

Mit Anwendungen wie »Passngr« sollen Passagiere entlang der gesamten Reisekette auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote erhalten: Informationen über das Verkehrsgeschehen und Routenalternativen, über die Verfügbarkeit und Preise von Parkplätzen, über die voraussichtliche Dauer des Check-ins, Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle sowie über Angebote der Lieblingsrestaurants und -läden im Wartebereich. Dasselbe wird es für die Ankunftsflughäfen geben einschließlich der prognostizierten Wartezeit an der Gepäckausgabe. Die App wird mit gängigen Routenplanern und Navigationssystemen interagieren und auch Informationen von Carsharing- und Taxidiensten integrieren. Außerdem soll der Fluggast direkt Leistungen buchen können: den Mietwagen beziehungsweise das Carsharing-Auto oder Wasch-, Tank- und Reparaturservices während seiner Reise.

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Foto: Passenger App
Foto: Parkplatz Online
Jeder Fünfte bucht seinen Parkplatz am Flughafen bereits online.

Neue Konzepte für verändertes Mobilitäts- und Einkaufsverhalten

Die Anwendung, die Rainer Beeck verantwortet, nutzen in letzter Zeit immer mehr Menschen. »Fast 20 Prozent buchen ihren Parkplatz am Flughafen bereits online«, freut sich der Leiter Commercial Activities. Doch auch der Bereich Parken werde herausgefordert, sagt Beeck: »Wir zählen jetzt schon 150.000 Bewegungen mit Carsharing-Fahrzeugen im Jahr, das ist bereits ein Fünftel des Mietwagenmarkts.
«Und dann stehe das autonome Fahren vor der Tür.
»Das hat für uns wirtschaftliche, technische, bauliche und juristische Konsequenzen, die längst noch nicht alle geklärt sind.«

Auch ein weiterer Bereich von Beecks Commercial Activities steht vor großen Veränderungen:
»Die Markenartikelhersteller sind sehr verunsichert angesichts des enorm steigenden Onlinehandels, die fragen sich, ob sie neue Standorte am Flughafen überhaupt brauchen.« Doch Beeck ist um die Zukunft seines Bereichs nicht bange: »So attraktive, stark frequentierte Orte wie unsere Terminals gibt es nur wenige, und für viele unserer Mieter ist Umsatz dort nicht alles. Denen geht es um Event, Markenbildung, Kontakte, manchmal auch um Marktforschung.« Statt reiner Ladengeschäfte beobachten seine Kollegen und er einen Trend hin zu Hybridkonzepten aus Handel und Gastronomie sowie sogenannten Concept Stores. Mit der Erweiterung des Terminals 1 schaffe man auch dort sehr attraktive Flächen für innovative Konzepte.

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