Mit großen Projekten die Zukunft gestalten

Investitionsvolumen von rund 455 Millionen Euro aus eigenen Mitteln

Vier Sonderkontrollstellen – zum Beispiel für USA-Flüge

Marktplatz mit rund 7.000 Quadratmetern für Gastronomie und Einzelhandel

Abstellpositionen für 12 Flugzeuge

Um seine Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortzuschreiben, hat der Flughafen München gerade eine Reihe von Baustellen eingerichtet.

Für die Erweiterung des Terminals 1 gab es 2018 grünes Licht. Seit April 2019 bereiten Baufahrzeuge das Baufeld vor. Das Terminal soll einen zusätzlichen Pier erhalten mit einem zentralen Abfertigungsgebäude. Dieses Vorhaben ist zwar das mit der größten Investitionssumme, aber nur eines von mehreren strategischen Projekten, mit denen der Flughafen den Herausforderungen der Zukunft begegnen will: das klassische Geschäft absichern und neue Felder erschließen.

Foto: Bauarbeiten auf dem Vorfeld West
Anfang März 2019 begannen die Bauarbeiten auf dem Vorfeld West.

Warteschlangen im T1 sind künftig die Ausnahme

Es ist kurz nach Mittag an einem gewöhnlichen Mittwoch im Januar am Flughafen München. Die Weihnachtsferien sind zu Ende, bis zum Fasching ist es noch eine ganze Weile hin. Vor dem Eingang zu Abflug B und der Passkontrolle hat sich eine Schlange gebildet, die Wartezeit wird mit mehr als 15 Minuten angezeigt. Eine Familie aus Bahrain blickt sich nervös um. Die vier müssen zum Nachmittagsflug von Emirates nach Dubai, zum Abflug ist es nur mehr eine knappe Stunde. Gut, dass sich ihnen rasch ein Servicemitarbeiter nähert. Er schickt sie zu Abflug C hinüber, dort sei an den Sicherheitskontrollen alles frei, »same way to the gates«. Geduldig wiederholt er seinen Hinweis für alle neu hinzukommenden Fluggäste. Einige zögern, wie zwei junge Männer, die die neu eingerichtete, zusätzliche Sicherheitskontrolle im Obergeschoss des Terminals 1 noch nicht kennen. Mehr als 25 Jahre nach seiner Eröffnung ist das Terminal 1 für die heutigen Anforderungen zu eng geworden und wird deswegen in den nächsten Jahren modernisiert, um- und ausgebaut.

Mit rund
455 Mio. €
ist die Erweiterung des Terminals 1 derzeit die größte Zukunftsinvestition.

Der Mann, der das neueste Gebäude am Airport bauen wird, sitzt in einem der ältesten. Direkt neben dem schicken Anbau des Hilton-Hotels liegen drei zweistöckige, einfache Bürogebäude, die noch aus der Entstehungszeit des Flughafens Ende der Achtzigerjahre stammen. Michael Hiss schmunzelt über diesen scheinbaren Widerspruch: »Der Schuster hat doch selten die besten Schuhe. Wichtig ist, wie die Schuhe aussehen, die er herstellt.« Keine drei Jahre ist es her, dass der 47-jährige gebürtige Frankfurter als verantwortlicher Bauherrenvertreter das neue Satellitengebäude des Terminals 2 übergeben konnte – in der angekündigten Zeit und im vorgegebenen Kostenrahmen.

Die Passagierkapazität kann im Terminal 1 um etwa sechs Millionen pro Jahr auf etwa 21 Millionen steigen – bei gleichzeitiger Erhöhung der Qualität.

Neuer Pier für die gestiegenen Anforderungen

Jetzt wartet das nächste Großprojekt auf ihn und seine Kollegen des neu gegründeten Tochterunternehmens Flughafen München Realisierungsgesellschaft mbH. Mit über 450 Millionen Euro ist diese Maßnahme die wichtigste Zukunftsinvestition am Flughafen München.

In den nächsten vier Jahren werden Hiss, seine rund 50 Mitarbeiter und zahlreiche Baufirmen am Terminal 1 einen neuen Pier für zwölf Flugzeuge errichten und ein Gebäude für die Abfertigung der Fluggäste: insgesamt 95.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Der neue Komplex wird an die lange Front des Terminals 1 angebaut und mehr als 320 Meter weit in das jetzige Vorfeld hineinragen.

Im heutigen Ankunftsbereich B wird das bestehende Gebäude komplett entkernt und neu gestaltet. Danach rückt der öffentliche Bereich bis an die jetzige Gebäudekante zum Vorfeld vor und wird zum zentralen Eingang in den neuen Abflugbereich für alle Flüge in Nicht-Schengen-Länder. Der gesamte Nordteil des Terminals inklusive des neuen Gebäudes wird künftig für Flüge in diese Länder mit regulärer Passkontrolle reserviert sein, der gesamte Südteil, der ebenfalls modernisiert und neu gestaltet wird – also die jetzigen Abschnitte C und D –, für Flüge in Schengen-Länder, ohne Passkontrolle.

Foto: Aufenthalt Passagiere
Nach der Erweiterung versprechen große Warteräume eine hohe Aufenthaltsqualität für Passagiere.

Mehr Platz im
erweiterten Terminal 1

Mit dem Baubeginn geht für Katrin Hennig und Stefan Fornasier eine fast fünfjährige Planungszeit zu Ende. Die Architektin und der Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik leiteten die Projektgruppe, die die Erweiterung vorbereitet hat. Über den Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern im November 2018 haben sie sich gemeinsam mit dem ganzen Team sehr gefreut. »Das Terminal 1 platzt ja aus allen Nähten«, sagt Fornasier, »es ist allerhöchste Zeit, dass wir jetzt endlich mit dem Bau beginnen.« Deutlich mehr Platz brauchen die Sicherheitskontrollen und Gepäckausgaben ebenso wie die Gastronomie, der Handel sowie die Fluggesellschaften für ihre Lounges. Was den Neubau von den bestehenden Flughafengebäuden unterscheiden soll, ist die Gestaltung des Interieurs. »Nicht mehr das strahlende Weiß wird dominieren, sondern wärmere Farben, es wird mehr Holz geben und weitere Naturmaterialien«, verrät Hennig.

95.000 m2
neue Geschossfläche

Sie selbst hat mit Baubeginn die Seiten gewechselt und ist seit Anfang des Jahres zuständig für die weiteren Umbaumaßnahmen und die Vermarktung der Flächen im Terminal 1. Statt der Interessen des Bauherrn hat sie nun die der jetzigen und künftigen Nutzer im Blick. Auch wenn es noch mindestens bis 2023 dauern wird, bis die ersten Mieter in den Neubau einziehen werden, gibt es schon konkretes Interesse an einigen Bereichen, etwa an einer der zwei neuen Lounges. Das Terminal 1 wird künftig viel mehr Restaurants und Läden haben, außerdem ganz neue Handels-, Interaktions- und Eventflächen bieten. Insgesamt solle die Aufenthaltsqualität deutlich gesteigert werden.

Nachhaltiges Bauen

Ein Ziel, das der Flughafen München bei der Erweiterung des Terminals 1 wie bei allen seinen Baumaßnahmen verfolgt, ist das Prinzip eines möglichst nachhaltigen Bauens. So soll die Umwelt durch das Bauen selbst und den folgenden Betrieb des Gebäudes durch Ressourcen-, Wasser- und Energieverbrauch möglichst wenig beeinträchtigt werden. Auch wenn ökologische Verbesserungen zunächst meist eine Investition bedeuten, erweisen sie sich häufig auch ökonomisch als nachhaltig, da die Betriebskosten langfristig sinken, wenn etwa weniger Energie verbraucht wird. Das gilt für Gebäude wie das Terminal 1, das inzwischen knapp 30 Jahre alt ist, in besonderem Maße.

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